Donnerstag , 14 Dezember 2017
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Großer Impfratgeber – Impfen Ja oder Nein?
Welche Impfungen müssen sein? Dürfen Babys geimpft werden?

Großer Impfratgeber – Impfen Ja oder Nein?

Mediziner, Krankenkassen und Gesundheitsorganisationen, wie zum Beispiel die WHO, plädieren seit jeher für das Impfen. Einige Befürworter fordern sogar eine verbindliche Impfpflicht. Kein Wunder also, dass es wohl für die meisten Leute zu Selbstverständlichkeit geworden ist, sich impfen zu lassen.

Allerdings muss eingeräumt werden, dass sich die Stimmen mehren, die sich vehement gegen Impfungen aussprechen. Wenngleich sich ein Großteil der hierbei geäußerten Gegenargumente bei näherer Betrachtung schnell als haltlos erweist, zeigen sie doch auf, dass sich jeder für sich näher mit dem Thema Impfen als solches und den diesbezüglichen Argumenten für oder eben gegen Impfungen befassen sollte.

Grundlegende Informationen über das Impfen

Impfungen dienen dem Zweck, den Körper gegen bestimmte Krankheitserreger zu immunisieren. In der Regel werden hierfür die betreffenden Erreger in abgeschwächter Form verabreicht. Alternativ dazu werden je nach Krankheitserreger einfach nur die Toxine genannten Giftstoffe, die er absondert, gegeben. In beiden Fällen soll das Abwehrsystem des Körpers dahin gehend aktiviert werden, eigene Antikörper zu bilden, um so bestmöglich vor den tatsächlichen Krankheitserregern geschützt zu sein.
Zudem kann zwischen der allgemeinen Schutzimpfung und der sogenannten Indikationsimpfung unterschieden werden.

Unter Schutzimpfungen sind all jene Impfungen zu verstehen, die die STIKO (Ständige Impfkommission) der Allgemeinheit empfiehlt. Indikationsimpfungen sind hingegen Impfungen, die vorrangig bestimmten Risikogruppen empfohlen werden.

So sollten sich zum Beispiel Jäger, Förster und Forstarbeiter über ihren herkömmlichen Impfschutz hinaus eventuell noch gegen Tollwut und die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Zecken übertragen werden kann, impfen lassen. Wobei am Beispiel der FSME schon deutlich wird, dass die Grenzen zwischen allgemeinen Schutzimpfungen und den speziellen Indikationsimpfungen fließend sein können, weshalb es bei den betreffenden Listen auch zu etwaigen Überschneidungen kommen kann.

Davon abgesehen ist noch zum Impfen im Allgemeinen anzumerken, dass der gebotene Schutz in der Regel nur für einen bestimmten Zeitraum anhält, weshalb die Impfungen für gewöhnlich in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden müssen.

Argumente, die für das Impfen sprechen

Für Impfungen spricht, dass sie ein probater Weg sind, sich selbst vor schweren Krankheiten und daraus resultierenden Folgeschäden zu schützen. Darüber hinaus dient das Impfen aber auch dem Schutz der Mitmenschen. Können Krankheitserreger sich doch nur sehr schwer verbreiten, wenn sie kaum noch geeignete Wirte finden. Erwähnung verdient dabei, dass Impfungen auch in rein finanzieller Hinsicht eine erhebliche Entlastung darstellen.

Ist das Impfen doch weitaus kostengünstiger als die Behandlung von Krankheiten und den dadurch resultierenden Folgeschäden, wodurch die Kassen und damit letztendlich auch die Beitragszahler merklich entlastet werden. Davon abgesehen profitiert selbstverständlich auch die Wirtschaft davon, wenn es aufgrund von Impfungen zu deutlich weniger krankheitsbedingten Betriebsausfällen jeglicher Form kommt. Ungeachtet dessen kann eine flächendeckende Impfung der Bevölkerung im Idealfall dazu führen, dass diverse Krankheiten nicht bloß stark eingedämmt, sondern über kurz oder lang vielleicht sogar gänzlich ausgerottet werden.

Argumente, die gegen das Impfen sprechen

Ein oft geäußertes Gegenargument ist, dass Impfungen für einen gewissen Zeitraum schützen, wohingegen der Körper ein Leben lang immun ist, sobald er eine Erkrankung aus eigener Kraft überstanden hat. Ein weiteres Argument ist, dass man bei Impfungen Krankheitserreger verabreicht bekommt, mit denen man sonst vielleicht nie in Berührung gekommen wäre. Über die Angst hinaus, eine Krankheit überhaupt erst durch die Impfung zu bekommen, fürchten sich viele vor etwaigen Nebenwirkungen, die unter Umständen sogar schlimmer als die Erkrankung selbst sein könnten.

Außerdem mehrt sich die Skepsis darüber, warum heutzutage noch gegen diverse Krankheiten geimpft wird, obgleich sie an sich kaum noch vorkommen. So zum Beispiel Diphtherie, Wundstarrkrampf oder Tetanus, um nur einige Krankheiten zu nennen, die zumindest hierzulande als weitestgehend ausgerottet gelten. Eine weitere Sorge ist, dass das körpereigene Immunsystem durch Impfungen durcheinandergebracht, überlastet oder geschädigt werden könnte.

Anmerkungen zu den zuvor genannten Gegenargumenten

Selbstverständlich lassen sich die zuvor genannten Argumente gegen das Impfen nicht gänzlich von der Hand weisen. Allerdings gibt es Aspekte, die Du in diesem Zusammenhang unbedingt berücksichtigen solltest.

Der erste Aspekt ist der, dass die Krankheitserreger, die Du bei einer Impfung verabreicht bekommst, derart abgeschwächt sind, dass die Gefahr einer Erkrankung weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Ähnlich verhält es sich mit unliebsamen Nebenwirkungen, die Du zumindest bei jenen Impfstoffen, die schon länger im Umlauf sind, kaum befürchten musst. Hinzukommt, dass Du nur dann geimpft wirst, wenn Du tatsächlich kerngesund bist und Dein Immunsystem dementsprechend stark ist, wohingegen Du sonst auch dann mit Krankheitserregern in Berührung kommen kannst, wenn Du etwas geschwächt bist oder vielleicht sogar schon an einer anderen Krankheit leidest.

Außerdem ist es mit Hilfe von Impfungen möglich, Dein Immunsystem genau dann zu aktivieren, wenn die Gefahr einer Erkrankung besonders groß ist. So zum Beispiel bei Reisen in Länder, in denen es Krankheitserreger gibt, gegen die Dein Körper in Deiner Heimat keine eigenen Antikörper von Natur aus bilden konnte. In Hinblick auf das Impfen gegen seltene Krankheiten wäre noch anzumerken, dass die Seltenheit unter Umständen alleine daher rührt, dass schon seit Jahrzehnten entsprechende Impfungen gibt. Davon abgesehen ist die Welt mittlerweile so globalisiert, dass hierzulande ausgerottete Krankheitserreger ohne Weiteres wieder aus anderen Ländern oder Regionen eingeschleppt werden können.

Als diesbezügliches Beispiel wäre unter anderem die zuvor bereits erwähnte FSME heranzuziehen. Denn wenngleich das Risiko, an der Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken, beispielsweise in Bayern, Südbaden oder Südbaden deutlich höher als in anderen Teilen der Bundesrepublik sein mag, können Zecken, die den Erreger in sich tragen, doch ohne Weiteres an einem Reisenden hängend, aus den betreffenden Regionen überall hingelangen.

Um zum eigentlichen Thema zurückzukehren, wäre noch anzumerken, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass das eigene Immunsystem durch das Impfen übermäßig belastet wird, sofern Du Dich an diesbezügliche Empfehlungen hältst. Dementsprechend wichtig ist es aber auch, dass Du Dein Impfbuch bei ausnahmslos allen Impfterminen dabei hast, damit der behandelnde Arzt sämtliche Impfungen dokumentieren kann.

Impfung: Kleiner Pieks mit Nebenwirkungen?

Wie verhält es sich mit Impfschäden?

Als Impfschäden werden all jene Schäden bezeichnet, die definitiv von einer Impfung verursacht wurden und von Seiten ihrer Schwere über herkömmliche Impfreaktionen hinausreichen. Zu den Gefürchtetsten unter Ihnen gehören Hirnschäden, die in besonders schlimmen Fällen sogar zu einer unheilbaren Behinderung, ob nun geistig oder körperlich, führen können. Hierbei muss jedoch direkt festgehalten werden, dass Impfstoffe, die schwerwiegender Schäden als die betreffende Krankheit verursachen können, überhaupt nicht erst zugelassen werden.

Hinzukommt, dass es sich bei vermeintlichen Impfschäden oft um Erkrankungen handelt, die völlig unabhängig von der Impfung aufgetreten sind. Wobei einzuräumen ist, dass eine klare Differenzierung zwischen tatsächlichen Impfschäden und impfunabhängigen Erkrankungen nicht immer ohne Weiteres möglich ist. Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass Impfschäden weit seltener vorkommen, als gemeinhin vielleicht angenommen wird. Tatsächlich ist das Risiko von Impfschäden bei zugelassenen Impfstoffen sehr gering.

Davon abgesehen wissen wohl nur Mediziner sowie Betroffene und deren Angehörigen, wie schlimm manche Krankheiten verlaufen. So zum Beispiel die Kinderlähmung, die die meisten Leute heutzutage erfreulicherweise nur noch vom Namen her kennen, was nicht zuletzt dem Impfen zu verdanken sein dürfte. Trotzdem empfiehlt es sich, stets zwischen dem erhofften Nutzen und dem potenziellen Risiko einer Impfung abzuwägen. Außerdem solltest Du selbstverständlich schon beim geringsten Verdacht eines eventuellen Impfschadens umgehend zu einem versierten Facharzt gehen.

Impfausweis

Im Impfausweis stehen alle Impfungen von dir und dein Arzt hat einen genauen Überblick über alle Impfungen.

Welche Impfungen werden wann benötigt?

Eine Empfehlung lautet, dass sich letztendlich jeder so weit möglich gegen alle im eigenen Heimatland verbreiteten Krankheiten impfen lassen sollte, die entweder für sich gefährlich sind oder aber schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen können. So zum Beispiel Tetanus, Polio sowie Masern, um nur einige Krankheiten zu nennen, gegen die Du Dich impfen lassen kannst. In Hinblick auf die Tetanus-Impfung wäre noch zu erwähnen, dass sie alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss, um zuverlässigen Schutz bieten zu können. Zudem empfehlen sich Impfungen gegen hochgradig ansteckende Krankheiten, wie zum Beispiel die Diphtherie, die im Übrigen gravierenden Spätfolgen und sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen führen kann.

Ferner ist es ratsam, sich vor Reisen in Länder mit landestypischen Krankheiten diesbezüglich impfen zu lassen. Außerdem empfehlen sich Impfungen gegen Krankheiten, für die es noch keine wirksamen Medikamente gibt oder sich allgemein nur schwer therapieren lassen. Daneben muss noch allen, die aufgrund ihres Berufes, ihres Wohnorts oder anderer Lebensumstände ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, zu den zuvor bereits erwähnten Indikationsimpfungen geraten werden. Allen voran sind hierbei Eltern junger Kinder zu nennen, die nunmehr verstärkt mit den Erregern sogenannter Kinderkrankheiten in Berührung kommen und daher sowohl zum Schutz ihrer selbst als auch im Interesse ihrer lieben Kleinen auf eine bestmögliche Prävention bedacht sein sollten. Erwähnung verdient noch, dass es mittlerweile üblich ist, sogenannte Kombinationsimpfstoffe zu spritzen, um schon mit wenigen Injektionen einen breit gefächerten Impfschutz zu erzielen. Diesbezügliche Beispiele wären unter anderem die Kombinationsimpfstoffe MMR (Masern, Mumps und Röteln) oder DTaP (Diphtherie, Tetanus und Pertussis).

Auflistung einiger Schutzimpfungen
  • Diphtherie
  • Windpocken (Varizellen)
  • Röteln
  • Masern
  • Mumps
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Kinderlähmung (Polio)
  • Wundstarrkrampf (Tetanus)
  • Hepatitis B (HB: Infektionskrankheit der Leber)
  • Pneumokokken (bakterielle Infektion, die Hirnhaut-, Lungen- und Mittelohrentzündungen verursachen kann)
  • HPV (humane Papillomaviren)
  • Haemophilus Influenzae (Hib)
  • Rotaviren
  • Meningokokken (bakterielle Infektion, die Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung verursachen kann)
Auflistung einiger Indikationsimpfungen
  • FSME
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Varizellen
  • Hepatitis A (HA)
  • Hepatitis B (HB)
  • Mumps
  • Röteln
  • Masern
  • Influenza
  • Pertussis
  • Pneumokokken
  • Poliomyelitis
  • Tollwut
  • Meningokokken

Das Impfen des eigenen Kindes

Während das Impfen an sich schon ein mehr oder minder heikles Thema ist, erhält es in Hinblick auf Kinder eine ganz eigene Brisanz. Müssen Eltern doch Entscheidungen treffen, die sich im Positiven wie im Negativen auf das ganze Leben ihrer Kinder auswirken könnten. Entsprechend wichtig ist es, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, zumal Kinder vom Tag ihrer Geburt an mit Krankheitserregern konfrontiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass es Zeit braucht, bis ein Säugling von sich aus ein vollfunktionsfähiges Abwehrsystem gegen alle nur erdenklichen Krankheiten entwickelt hat. Allerdings haben viele Eltern auch die Sorge, den Entwicklungsprozess durch Impfungen nachteilig zu beeinträchtigen. Ohne Deine Entscheidungsfindung beeinflussen zu wollen, sollte in diesem Zusammenhang aber angemerkt werden, dass Kinder schon alleine beim Spielen und Erkunden ihrer Umwelt mit derart vielen „aktiven“ Krankheitserregern in Berührung kommen, dass es fraglich ist, ob eine gezielte Grundimmunisierung mit abgeschwächten Erregern ein zusätzliches Risiko darstellt oder eben doch eher hilfreich wäre.

Impfungen im Kindesalter

Die erste Impfung gibt es bereits kurz nach der Geburt, um die Abwehrkräfte des Baby zu stärken.

Tatsächlich raten Experten ausdrücklich dazu, das Immunsystem ab einem Alter von sechs Wochen zunächst mithilfe von Grundimpfungen zu immunisieren und während der folgenden sechs Monate mit zusätzlichen Folgeimpfungen weiter zu stärken.

Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass Kindern zumeist Kombinationsimpfstoffe verabreicht werden, sodass zumindest der Stress oder die Belastung des eigentlichen Impfvorgangs verhältnismäßig gering ausfällt. Wobei angemerkt werden muss, dass einige der Impfungen im Alter von 5 bis 17 Jahren wieder aufgefrischt werden müssen, um auch weiterhin zuverlässigen Schutz bieten zu können. Trotzdem bleibt es selbstverständlich unsagbar wichtig, dass Kinder auf „natürlichem“ Wege ein möglichst starkes Immunsystem aufbauen, weshalb es vollkommen in Ordnung ist, wenn sie sich beim Spielen ein wenig schmutzig machen, etwas in den Mund nehmen oder auch eng mit Haustieren kuscheln.

Die aktuellen Impfempfehlungen vonseiten der STIKO für Kinder:
Diphtherie
Kinderlähmung
Tetanus
Masern
Mumps
Röteln
Windpocken
Keuchhusten
Rotaviren
Haemophilus Influenza Typ b (schwere bakterielle Infektion während der ersten Lebensjahre)
Pneumokokken
Hepatitis B
Meningokokken C

HPV-Impfung

Die HPV-Impfung ist eine relativ neue Impfung, die vor dem sogenannten Humane Papillomvirus (HPV) schützen soll. Derzeit sind mehr als 100 verschiedene Arten des besagten Virus bekannt. Die meisten unter ihnen gelten als harmlos. Es gibt aber auch Arten, die unter dem Verdacht stehen, neben diversen Geschlechtskrankheiten auch nach Jahren der Infektion noch Gebärmutterhalskrebs verursachen zu können. Daher wird vor allem Mädchen und jungen Frauen nahegelegt, sich im Alter von 12 bis 17 Jahren gegen HPV-Viren impfen zu lassen. Wobei eingeräumt werden muss, dass sich selbst Experten uneinig darüber sind, inwiefern eine HPV-Impfung tatsächlich zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs beitragen kann. Tatsächlich warnen einige Experten schon alleine aufgrund mangelnder Langzeiterkenntnisse ausdrücklich vor einer Impfung. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich HP-Viren bereits durch einfachen Hautkontakt übertragen lassen. Außerdem sollen sich laut Schätzungen gut 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen und Männer mindestens einmal in ihrem Leben mit HPV anstecken. Am höchsten sei die Gefahr einer HPV-Infektion übrigens zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr. Dies habe auch eine Arbeit des Robert Koch-Instituts nahegelegt, der zufolge fast 40 Prozent der untersuchten Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren, die zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht gegen HPV geimpft waren, mit mindestens einer Art des Virus infiziert gewesen seien. Bei knapp 20 Prozent der getesteten Frauen sei sogar der sogenannte high-risk-HPV-Typ 16 entdeckt worden.

Wie viel Impfung muss sein?

Bilder:
Titelbild – Urheberrecht: serezniy / 123RF Stockfoto
Impfausweis – Urheberrecht: alexraths / 123RF Stockfoto
Impfungen im Kindesalter – Urheberrecht: naumoid / 123RF Stockfoto


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