Montag , 23 Oktober 2017
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Synthetische Kleidung – Vor- und Nachteile von Polyesterstoff
Foto: Thomas Klauer / pixelio.de

Synthetische Kleidung – Vor- und Nachteile von Polyesterstoff

Die Ansprüche an die Kleidung wachsen ständig. Diese Erwartungen sind inzwischen ohne den Einsatz von Chemie nicht zu erfüllen. Synthetische Kleidung ist deshalb immer stärker auf dem Vormarsch. Zahlen aus dem Jahre 2012 belegen, dass Polyesterstoff nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland zu den am häufigsten produzierten Stoffen gehört. Polyester, abgekürzt PES, wird zu den synthetischen Fasern gezählt und aus Erdöl hergestellt. Der Name verrät, dass es sich um einen Ester der Kohlensäure handelt. Aus der Vorsilbe „Poly“ lässt sich schließen, dass Polyester aus vielen einzelnen Bausteinen, den Monomeren, aufgebaut ist. Diese können verschiedener chemischer Natur sein. Polyester kann somit je nach seiner Zusammensetzung vielfältige Eigenschaften aufweisen. Es wird vorrangig für Kleidung eingesetzt, findet aber auch in der Möbelindustrie als Bezugsstoff sowie für technische Textilien, wie z. B. als Segeltuch, Verwendung. Polyesterstoff wird unter unterschiedlichen Handelsnamen vertrieben. Zu den bekanntesten gehören Trevira, Dacron, Diolen und Thermolite. Zur Anpassung der Gebrauchseigenschaften und um den Tragekomfort zu erhöhen, enthält Polyesterstoff je nach Verwendungszweck Anteile anderer Fasern, wie Wolle, Baumwolle oder Viskose. Die Mengenverhältnisse zwischen Polyester und Fremdfaser können variieren.

Foto: Thomas Klauer  / pixelio.de

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Aber, wo Licht ist, ist oft auch Schatten. Bei synthetischem Material bleibt die Feuchtigkeit beim Schwitzen auf der Faseroberfläche, wo sie von den körpereigenen Keimen zersetzt wird. Dabei entsteht ein unangenehmer Geruch. Beim Naturmaterial findet dieser Prozess im Inneren der Faser und damit verzögert statt, so dass die Nase die damit verbundene Belästigung nicht sofort wahrnimmt. In der Branche ist man ständig bemüht, diese und andere Unzulänglichkeiten durch entsprechende Weiterentwicklungen auszumerzen.

Vorteile:

  • geringe Knitterneigung durch die hohe Elastizität
  • formbeständig, auch in Gegenwart von Feuchtigkeit
  • sehr rasch trocknend
  • hautfreundlich
  • enorm strapazierfähig wegen der hohen Reiß- und Scheuerfestigkeit
  • Vielfältigkeit in Griff und Feinheit: als Mikro- oder Grobfaser, als weicher oder steifer Stoff
  • farbecht
  • besonders wetter- und lichtbeständig und damit robust gegen klimatische Einflüsse
  • hohe Beständigkeit gegenüber von Laugen und Säuren
  • bei großer Hitze sind Falten etc. dauerhaft fixierbar
  • mottenbeständig
  • resistent gegen Verrottung
  • pflegeleicht und für Maschinenwäsche geeignet
  • nimmt wenig Schmutz an
  • weich auf der Haut
  • weniger brennbar als Naturfasern
  • geringes Gewicht
  • wasserabweisende Oberfläche: nimmt wenig Feuchtigkeit von außen auf
  • leicht und vielfältig zu verarbeiten: unerschöpfliche Auswahl an Musterungen, Strukturen und Farben

Nachteile:

  • geringe Feuchtigkeitsaufnahme, insbesondere bei Verwendung für innen
  • Wärmestau verursachend
  • Entstehen unangenehmer Gerüche in der Kleidung und weiß geränderter Flecken bei Schweißansammlung
  • nicht winddicht
  • mögliche Hautreizungen bei empfindlichen Personen im Zusammenhang mit dem fehlenden Saugvermögen (Porenverstopfungen)
  • starke elektrostatische Aufladung
  • Verschwendung natürlicher Ressourcen bei der Herstellung
  • Sehr empfindlich gegen Hitze: schmilzt leicht, beispielsweise bei Funkenflug.

Materialveredlungen oder der Einsatz von Polyester als Membran heben einen Teil der Nachteile wieder auf. Mittels Texturierung wird beispielsweise die glatte Kunstfaser im Polyesterstoff analog zu den Naturfasern gekräuselt. Damit wird das Volumen vergrößert und die Feuchtigkeitsaufnahme der Kleidung verbessert sowie eine bessere Isolation erzielt. Wird Polyester in Membranen verarbeitet, werden die entsprechenden Stoffe winddicht und transportieren die Wärme von innen nach außen, so dass sich weder Wärme noch Schweiß im Inneren stauen. So werden sie atmungsaktiv und gleichzeitig wasserdicht. Sympatex stellt eine solche Membran dar, die für Outdoor Kleidung verwendet wird.

Fazit:

Polyesterstoff besitzt eine Reihe praktischer Eigenschaften, die zu einer weiten Verbreitung beitragen. Er wird für Kleidung, beispielsweise in Anzügen, Kleidern, für Berufs- und Wetterschutzbekleidung, Heimtextilien, Bettwäsche, Segel sowie im Freizeit- und Outdoor-Bereich verwendet. In der Damen- und Herrenoberbekleidung wird Polyesterstoff überwiegend als Mischgewebe zusammen mit Schur- oder Baumwolle verarbeitet. Bei der Verwendung als Fleece oder Coolmax-Produkte werden Atmungsaktivität und das leichte Trocknen geschätzt. Polyester-Mischfasern, die Naturfasern enthalten, verbessern den Tragekomfort, wobei die Polyester-Komponente die leichte Pflege und die Formbeständigkeit garantiert. Die geringe Saugfähigkeit stellt den deutlichsten Nachteil dar. Als Material für Unter- und Nachtwäsche ist Polyesterstoff eher ungeeignet. Für Heimtextilien und im Outdoor Bereich liegt der Vorteil in der sehr großen Strapazierfähigkeit. Farbechtheit und Lichtbeständigkeit sind Pluspunkte, die ihn ebenfalls als Bezugsstoff in der Auto- und Möbelindustrie interessant machen. Wegen der Vielfalt und der zahlreichen nützlichen Gebrauchsmerkmale sind Polyesterstoffe nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Es lohnt sich, dem Einsatz entsprechend, nach speziellen Materialveredlungen oder geeigneten Polyester Mischungen Ausschau zu halten.


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