Dienstag , 15 Oktober 2019
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Indivduelle und moderne Hundeerziehung

Indivduelle und moderne Hundeerziehung

Wenn ein Welpe einzieht, dann ist dies nicht nur ein Grund zur Freude und zum Kuscheln, sondern sollte auch Anlass geben, sich damit auseinander zu setzen, wie das kleine Tier erzogen werden soll. Hier sollten sich in deiner Familie möglichst alle Mitglieder einig sein, denn wenn dies nicht der Fall ist, ist nicht nur der Hund verwirrt, was er darf und was nicht, sondern im Zweifelsfall macht er einfach nur noch, was er möchte. Auch wenn ein älterer Hund aufgenommen wird, ist dieser nicht unbedingt so erzogen, wie du es gerne hättest oder vielleicht kennt er nur wenige Grundlagen.
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Hundeerziehung ist keine Wissenschaft, sondern die Basis für eine schöne und lange Freundschaft zwischen Halter und Hund. Hunde benötigen klare Regelungen, an denen sie sich orientieren können, um zu unterscheiden, welches Verhalten gewünscht und welches unerwünscht ist. Schließlich ist der Hund ein Rudeltier und schließt sich demjenigen an, der ganz offensichtlich der Chef ist. Und der Chef solltest in dem Fall du sein. An dir wird dein Hund sich sein Leben lang orientieren.

Es gibt viele Ratgeber und verschiedene Ansichten zur Hundeerziehung. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass Hunde Individuen sind und nicht jede Erziehungsmethode zu jedem Hund und jedem Halter passt. Es ist gut, viele Bücher zu lesen, sich im Internet und in diversen Hundeforen zu tummeln und mit anderen Hundehaltern auszutauschen aber es ist noch besser, einen persönlichen Coach zu finden, der bei der Hundeerziehung hilft. Dies kann in einem Hundeverein geschehen, in der Hundeschule oder bei einem einzelnen Trainer. Dabei sollte nach Möglichkeit immer das positive Lernen im Vordergrund stehen. Strafen wie den Hund im Nacken packen, ihn anbrüllen oder ihm weh zu tun sind nicht nur uneffektiv, sie können gleichzeitig auch die Psyche des Tieres zerstören und sehr viel in der Beziehung zwischen Hund und Halter zerstören.

Die Hundesprache und die des Menschen

Bild: M. Großmann  / pixelio.de

Bild: M. Großmann / pixelio.de

Zu Beginn er Beziehung muss der Mensch lernen, seinen Hund zu lesen. In diesem Moment, wo der Mensch damit beginnt, kennt der Hund ihn meistens bereits in und auswendig. Hunde beobachten ihre Halter sehr genau und merken rasch, wann Lob oder Tadel gesprochen wird, wann der Halter traurig oder zornig ist, oder wenn er lacht. Der Hund lebt davon und damit, seine Menschen lesen zu können. Er ist abhängig von seinem Rudel und muss sich bestmöglich einbringen. Hunde reagieren nicht nur auf die Stimmlage und Tonfrequenz, sondern auch auf die Gestik. Mit eindeutigen Handzeichen oder einer deutlichen Körperhaltung in der Hundeerziehung können Hundehalter es sich und ihrem Hund erleichtern, miteinander zu kommunizieren. Das ist oft gar nicht so einfach zu lernen und deswegen machen die meisten Hundehalter Fortschritte, wenn sie einen Trainer oder eine Trainerin haben, die aufzeigt, was verbessert werden und wie das Mensch-Hund-Team zusammen leben kann.

Was sind positive Verstärker und welche Rolle spielen sie?

Jeder Hund reagiert auf Lob mit Freude, der Eine mehr, der Andere weniger. Die Rassen mit dem sogenannten „Will to please“ (Willen zum Gefallen) wie Golden Retriever oder Labrador Retriever können dies sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Genauso kann dies aber auch bei anderen Rassen und Mischlingen auftreten und ist eine Freud zu beobachten. Was macht dein Hund, wenn du ihn lobst? Scheint er zu lächeln oder wedelt er gar mit der Rute?

Da nach neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnissen Gewalt in der Hundeerziehung abgelehnt wird, spielen nun die positiven Verstärker eine große Rolle. Positiv sind zum Beispiel liebe Worte wenn der Hund etwas gut gemacht hat, ein Spiel, Hundekekse oder andere Dinge, die das Tier gerne hat. Immer wenn es etwas richtig macht, wird belohnt. Die allermeisten Hunde merken schnell, dass wenn sie eine positiv besetzte Handlungsfolge wiederholen, sie positiv bestärkt werden und zeigen dieses Verhalten nun immer wieder. Dennoch sind auch klare Ansagen im Training wichtig, wenn der Hund einen Fehler macht oder nicht konzentriert mitarbeitet. Ein tiefes „ahah“ oder „no“ reicht oft aus, damit der Hund merkt, dass er auf dem falschen Weg ist. Korrigiert werden darf und muss also trotz der vielen positiven Belohnungen. Weiterhin setzt die Hundeerziehung natürlich auf viele Wiederholungen, Übungen und eine vertrauensvolle Bindung zwischen Hund und Mensch, die sich im Lauf der Zeit immer weiter verstärken wird.
Generell wollen wir Hundehalter nicht so gerne mit unserem Hund schimpfen, schließlich ist er lieb und kuschelig und kann uns mit großen Augen ansehen. Dennoch: Auch ein klares „Nein“ oder „Aus“ muss manchmal sein wenn es angebracht ist. Zum Beispiel dann, wenn der Hund draußen etwas vom Boden aufnehmen und fressen will – dies ist nicht nur eine Unart, sondern kann auch äußerst gefährlich werden wenn es sich zu, Beispiel um giftiges Rattengift handelt.

Theorie der modernen Hundeerziehung

Bild: Barbara Eckholdt  / pixelio.de

Bild: Barbara Eckholdt / pixelio.de

In der neuen Hundeerziehung setzt du dich auch mit deinem Handeln auseinander und mit den Reaktionen deines Hundes. Das ist wichtig, um einander besser verstehen zu können. Das eigene Handeln wird reflektiert und Verständigungsprobleme mit dem eigenen Hund aufgedeckt. Da wir Menschen in vielerlei Hinsicht in unserer Kommunikation nicht eindeutig sind, ist es wichtig, dass wir lernen mit unseren Hunden deutlich zu kommunizieren damit sie merken, was wir von ihnen erwarten. So können wir die gemeinsame Verständigung erleichtern und lernen, wie wir uns unmissverständlich und deutlich ausdrücken können. Das ist nicht immer einfach und oft brauchen wir Monate bis Jahre, um (für den Hund) eindeutig kommunizieren zu können. Wenn wir es dann jedoch geschafft haben und die Hunde uns verstehen und gewünschte Verhaltensweisen zeigen, dann freuen wir uns, dass wir einen Weg gefunden haben, mit unserem liebsten Haustier eine Verständigung aufzubauen.
Oft ist ein neues Erziehungskonzept nicht auf alle Hunde und alle Rassen ausdehnbar. Ebenso wie es bei den Menschen der Fall ist, sind Hunde Individuen. Manchmal müssen Hund und Halter daher auch einen ganz eigenen, neuen Weg zusammen gehen, um zueinander zu passen und sich gemeinsam weiter entwickeln zu können. Das kann eine Menge Beziehungsarbeit erforderlich machen. Mit viel Freude, Ausdauer und Spaß am Umgang mit Hunden ist es jedoch zu schaffen. Hier ist es wichtig, sich immer auch über die kleinen Schritte im Fortschritt der Hundeerziehung zu freuen.
Theorie über gewisse Grundlagen ist also immer wichtig, um grundlegende Dinge über Hund und ihre Verhaltensweisen zu erlernen, aber erst in der Praxis zeigt sich, wie gut es mit Hund und Halter gemeinsam funktioniert.

Ältere Theorien müssen an die heutige Zeit angepasst werden

Bild: M. Großmann  / pixelio.de

Bild: M. Großmann / pixelio.de

Lerntheorie und weitere wissenschaftliche Theorien enthalten immer einen wahren Kern; manchmal haben sich die Dinge im Verlauf der Zeit jedoch gewandelt und um weitere Erkenntnisse ergänzt, welche hinzu gedacht oder aber geschrieben werden sollten.
Hin und wieder wird in ein Verhalten des Hundes zu viel hinein interpretiert. Ein Gähnen wird zum Beispiel gerne als Übersprunghandlung erkannt, kann aber ebenso gut ein Zeichen sein, dass der betroffene Hund einfach nur müde ist. Hast du deinen Hund schon einmal gähnen sehen? Beachte ihn hierbei genau und lerne zu unterscheiden, ob er unausgeschlafen ist, oder ob er gerade etwas völlig anderes als zuvor machen möchte. Genauso gut kann das Gähnen aber ein Ausdruck von Zufriedenheit und Entspannung sein, vor allem dann, wenn der Hund sich dabei lang ausstreckt und sich in seinem Bett zu Recht lümmelt. Hundeerziehung ist vielfältig und, je nach Ansichtssache, in keine feste Norm zu pressen.
Manche ältere Theorien werden gleich vernachlässigt und nicht näher untersucht – hier kommt es immer darauf an, wer wie und auf welche Art mit den Hunden umgehen möchte. Die Hundeerziehung besteht seit mehreren hundert Jahren und hat sich im Lauf der Jahre immer wieder der Zeit angepasst. Früher waren Hunde nur Tiere, die Schafe zusammen hielten oder neben einer Kutsche herliefen. Heute sind Hunde soziale Familienmitglieder, die achtsam behandelt und manchmal auch verhätschelt werden.
Heute ist der Hund ein sozialer Partner, auf den geachtet wird. Manchmal auch ein wenig zu viel, wenn man Hundeboutiquen, Mäntelchen und mehr betrachtet, dann kommen hin und wieder Zweifel auf, ob der Hund eigentlich im Kern noch ein Hund geblieben ist.

Praxis der Hundeerziehung

Heute sitzen wir auf dem Fußboden, halten dem Hund in der einen Hand Leberwurst und in der anderen Käsewürfel entgegen und betrachten mit Erstaunen, für welche Variante sich der Hund entscheidet. Er hat eindeutige Vorlieben, was Geschmack und Konsistenz von Futter angeht. Ebenso wie ein Mensch und wie jedes andere Säugetier auch. Nötig ist so ein Verhalten unsererseits jedoch nicht. In etwa wissen wir ja, was der Hund gerne frisst, um es als Belohnung im Training einsetzen zu können. Manchmal ist Hundeerziehung eben auch ein wenig amüsant aber solange sie zum gewünschten Erfolg führt, ist das natürlich nicht schlimm. Schließlich sollen Hunde den Menschen Freude bereiten und die Hundeerziehung im besten Fall für alle Beteiligten auch Spaß machen.

praxis-hundeerziehungHeute sind Halsbänder zum großen Teil out und Geschirre in. Dies hängt damit zusammen, dass der Hund am Hals empfindlich ist und bei stärkeren Rucken an der Leine (unabhängig ob Mensch oder Hund nun daran zieht) zum Beispiel empfindliche Wirbel oder sogar die Schilddrüse beschädigt werden könnte. Bei Hunden die stark an der Leine ziehen (im Mantrailing ist dies zum Beispiel erwünscht) oder die am Fahrrad mitlaufen ist ein Geschirr auf jeden Fall die gesündere Alternative. Ansonsten streiten sich auch bei diesem Thema die Geister und es gibt verschiedene Ansichten zum Tragen von Halsband oder Geschirr.
Weiterhin gibt es Ruckdämpfer in der Leine, die den Hund davor bewahren sollen, zu viel Druck abzubekommen. Die Kehrseite hier ist jedoch die, dass der Mensch eventuell einen Meter hinter seinem Hund her fliegt wenn der Ruck mit großer Wucht ausgeführt wurde. Was ist nun besser? Und genau das ist wieder Ansichtssache.

Viele Eingriffe in der Hundeerziehung werden mittlerweile dem Hund angekündigt. Das kann ein Richtungswechsel sein, ein Hochheben oder auch das Anleinen. Einige Hundehalter sehen dies als notwendiges Muss an, denn der Hund soll sich nicht erschrecken oder negative Gefühle bekommen. Andere Hundehalter lachen darüber und finden diese Herangehensweise geradezu absurd. Hier musst du mit deinem Hund einen ganz eigenen Weg finden, um mit ihm jeden Tag wieder zu kommunizieren. Du musst entscheiden, was du für dich und Partner Hund richtig findest, und was du für euch beide aus der Praxis mitnehmen möchtest. Ein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ gibt es auch hier nicht, auch wenn die Hundeversteher dieser Welt das gerne anders verkaufen. Schließlich kann man mit Hundeerziehung heute eine Menge Geld verdienen. Da die Hunde den Menschen so wichtig geworden sind, werden sie auch besser behandelt und so kann ein Monat Hundeschule locker 200 Euro oder mehr kosten. Die Nachfrage bestimmt die Anbieter, deren Programm und Kosten. Wer viel kostet, kann vermeintlich auch viel – leider ist genau das oft nicht der Fall. Aber: Auf die Hundeerziehung gibt es kein Prädikat, keinen internationalen Abschluss oder ein Diplom, nein Hundeerzieher wachsen wie Pilze aus dem Boden. Hier den passenden Verein oder Coach zu finden ist nicht so einfach. Am besten ist es, sich bei anderen Hundehaltern umzuhören und zu ermitteln, was für die meisten Hunde passend zu sein scheint. Hier ergibt sich dann eine erste Tendenz, wo das eigene Lernen mit Hund beginnen kann. Wenn das Konzept nicht passt, kann zum Glück immer noch der Kurs oder Verein gewechselt werden.

Nein? Nein!

Bild: Erich Westendarp  / pixelio.de

Bild: Erich Westendarp / pixelio.de

Derzeit ist bereits ein lautes „Nein!“ ungern gehört. Wo? Auf dem Hundeplatz. Wer seinem Hund ein deutliches „Nein“ entgegen schmettert wird von manchen Hundehaltern als unangemessen gerügt oder vom Ausbilder berichtigt. Besser sei es, den Hund zu belohnen wenn er sich wie gewünscht verhält. Dazu gehören auch Regeln und manche Regel braucht nicht nur ein „Jaaaa braaav“, sondern auch mal ein deutliches „Nein!“. Das kann natürlich jeder sehen wie er will. Hundeerziehung ist variabel. Und was machst du? Wenn dein Hund sich an deinen Socken zu schaffen macht, den Mülleimer begeistert leert oder deinen Teppich zerfetzt? Hier ist eindeutig auch ein „Nein!“ oder „Schluss!“ angesagt, denn schließlich kann man sich als Hundehalter nicht immer und überall über das Verhalten seines Hundes freuen wenn dies nicht mehr angemessen ist. Da Hunde zum Glück sehr feinfühlige Tiere sind, muss das Wort gar nicht besonders laut ausgesprochen werden. Eine Änderung der Stimmlage, die deutlich macht, dass es gerade nicht darum geht Spaß zu haben, reicht in der Regel aus. Schließlich liest uns unser Hund. Jeden Tag, jede Stunde und immer dann wenn wir mit ihm zusammen sind. Er weiß genau, ob wir es gut finden, was er gerade tut. Der gemeinsame Weg ist der, der dazu führt, dass Hund und Halter sich gemeinsam auf Dauer wohlfühlen können.

Der aggressive Hund

agressive-hundeWenn der eigene Hund aggressives Verhalten zeigt, stehen wir mit unserer positiven Bestärkung irgendwie ein wenig blöde da. Was sollen wir nun bestärken? Der Hund hingegen empfindet Aggressionen vor allem gegenüber seinen Artgenossen als vollkommen normale Verhaltensweise. Solange dies im Rahmen bleibt und sich lediglich durch ein hochziehen der Lefzen oder aber ein Knurren handelt wenn ein andere Hund zu nahe kommt, ist das normal. Wenn das aggressive Verhalten sich jedoch gegen dich wendet, dann solltest du umgehend einen Trainer aufsuchen, der genau darauf spezialisiert ist und an den Problemen arbeiten. In vielen Fällen kann das Verhalten in normale Bahnen gelenkt werden, so dass ein normales Zusammenleben möglich ist. Selten bedeutet es aber auch, dass die Hundeerziehung hier am Ende ihrer Möglichkeiten ist und Hund und Halter sich aus Sicherheitsgründen lieber voneinander trennen sollten. Lieben können, bedeutet auch hier leider manchmal loszulassen.

Wenn das Tier wirklich stark aggressiv ist, dann ist es oft nicht vermittelbar und muss manchmal sogar über die, oft beschriebene, Regenbogenbrücke gehen. Hundeerziehung ist für Hunde gemacht, die sich unterordnen können und sich dem Partner Mensch eng anschließen. bei allzu dominanten Hunden versagt manchmal auch die beste Erziehungsmethode. Das ist so, passiert aber zum Glück selten aber gehört zum Hundeleben dazu. Menschen können Tiere eben nicht beliebig weit formen, auch wenn der Hund sich dem Menschen so eng angeschlossen hat, dass er in all den Jahren zum Haushund wurde und freiwillig die Nähe zum Menschen suchte. Bis heute gehen die meisten Hunde auf Menschen zu, anstatt vor ihnen davon zu laufen.

Hundeerziehung – und nun?
Such du dir eine Methode aus, die dir sympathisch ist und gefällt. Frage herum, gucke dir Ausbildungsplätze an und entscheide dann, welchen Weg du mit deinem Hund gehen willst. Viel Spaß!


Über Andi